"Half man, half plant - the goblin's favorite food." (Troll 2)

Bericht vom 9. Internationalen Trashologen Kongress

Vom 31. Mai bis zum 3. Juni 2018 tagte der 9. Internationale Trashologen Kongress in Nürnberg, besser bekannt als das B‑Movie-Festival B‑Film Basterds. Dreieinhalb Tage lange wurde hier in insgesamt 15 Einzelsitzungen der Trashfilm in all seiner Breite, all seiner Tiefe, all seiner Großartigkeit und all seiner Absurdität gewürdigt.

Als Eröffnungsfilm hatte uns Dr. Acula, wie er sich selbst nennt, einen Karatefilm mit dem österreichischen Schlagersänger Christian Anders in der Hauptrolle herausgesucht: Die Brut des Bösen. Für dieses Meisterwerk des schlechten Films hat der Barde aus den Alpen auch gleich noch das Drehbuch geschrieben und die Regie übernommen. Vielleicht hätte er lieber weiter von spanischem Wein singen sollen. Das Drama ist nicht unbedingt seine Stärke, aber das macht es an genau dieser Stelle als Eröffnungsfilm durchaus passend. Bei der Abstimmung zum Publikumspreis "Golden-Ninja-Warrior-Award" lag er dann auch die nächsten 48 Stunden klar vorne.

Nachdem der erste Abend thematisch mit Karato - Der Knochenbrecher aus Singapur im Martial Arts Genre geblieben war, eröffnete der zweite Tag zunächst mit einer indischen Produktion. Diler wartet mit viel Gesang und Tanz auf und man möchte ihn deswegen als Bollywoodfilm bezeichnen. Wie man jedoch lernen konnte stammt er aus Tollywood (ein kleiner, aber entscheidender Unterschied). Wie auch immer...

Thematisch wendete sich der Kongress dann dem schlüpfrigen Metier zu. Als Teilnehmer musste man erst das Foltercamp der Liebeshexen und nach der dreistündigen Abendpause Liebesgrüße aus der Lederhose 7: Kokosnüsse und Bananen über sich ergehen lassen. Erst Sexploitation von 1980 und dann ein Softporno aus den frühen 1990ern, der versucht an den Erfolg einer damals bereits über ein Jahrzehnt zurückliegenden Filmreihe anzuschließen. Leider mit mäßigem Erfolg.

Wahrer Trash folgte zum Abschluss des zweiten Tages: Santo vs. la Invasion de los Marcianos, ein Luchadorfilm von 1967. Damals gab es eine sehr umfangreiche Produktion von Filmen mit mexikanischen Wrestlern in der Hauptrolle. Selbstverständlich immer mit Maske. Zumindest der Held. Der Anführer der Außerirdischen trug keine, wurde aber wohl ebenfalls von einem mexikanischen Wrestler mit dem passenden Künstlernamen El Nazi gespielt. Insgesamt ein schwer zu ertragendes Werk, aber für einen echten Trashologen sollte das Studium des Luchadorfilms als Genre dennoch eine Selbstverständlichkeit sein.

Der dritte Tag begann zunächst mit einer Sammlung von kurzen Lehrfilmen. Anhand derer kann man in der Schule sicherlich hervorragend diskutieren. Und sei es über LSD‑Hamster‑Embryonen. Der erste Film in Spielfilmlänge war dann Unterwelt – The World Beyond. Eine brandneue deutsche Produktion, die von den Veranstaltern mit dem Begriff Mindfuck eingeführt wurde. Eine sehr passende Beschreibung. Diese Verknotung von Hirnzellen wurde dann durchaus kontrastiert durch ein ebenfalls stark hirnbelastendes Werk namens Der tapfere kleine Toaster. Kommentare hierzu sollten eigentlich überflüssig sein.

In den späten Abendstunden war dann die Führung der Brut des Bösen beim Publikumspreis dahin. Kein Wunder, denn was folgte war einfach nur verrückt, aber witzig und mit reichlich Brüsten ausgestattet: ABCs of Superheros. Endlich mal ein Superheldenfilm, der die Sache so behandelt wie es angemessen ist. Bevor man hier viele Worte verliert: Einfach selbst ansehen. Den Abschluss des dritten Tages bildete ein Actionfilm aus den 1980er Jahren. Klassische 1980er‑Jahre‑Action eigentlich. Nur irgendwie selbst dafür ziemlich schlecht. Für dieses Festival eigentlich durchaus passend. Nach dem vorangegangene Film aber ein klarer Abstieg im Unterhaltungswert.

Der letzte Tag stand unter dem Motto Horror und begann mit Ostzone als Wicked Vision Überraschungsfilm. Ein eigentlich gar nicht mal schlecht gemachter Horrorfilm. Arbeitet etwas mit Klischees, aber ist tatsächlich irgendwie doch überraschend anders. Die Ausserirdischen war nicht wirklich Horror. Auch wenn es schon irgendwie der Horror war. wie schlecht das war. Ein Zitat aus dem Programmheft dazu: "Diejenigen, die Kohärenz als Wertmaßstab anlegen, senken gramzerfurcht die Köpfe." Das beschreibt die Sache im Grunde genommen recht treffend.

Zum Horror im klassischen Sinne kehrten wir dann nach der letzten Abendpause zurück. Um 21:15 Uhr begann Macabra - Die Hand des Teufels. In einer alten mexikanischen Silbermine wird eine Hand gefunden. Wem sie gehört kann man bereits aus dem Titel erahnen. Wie man das bei der Hand des Teufels fast schon erwarten würde ist es keine gute Idee sie anzufassen. Wenn man es doch tut, dann wird die eigene Hand selbst zur Hand des Teufels. Es sei also davon abgeraten. Ob man hingegen vom Film, der durch etliche Handamputationen glänzt, abraten soll, das müsste nochmal separat geklärt werden. Das Publikum fand ihn jedenfalls gar nicht so schlecht.

Letztendlich gewählt wurde dann jedoch der Abschlussfilm. Ob der Golden-Ninja-Warrior-Award durch den verbliebenen harten Kern, der sich den vierten Tag in Folge noch um Mitternacht wirklich schlechten Filmen aussetzt, nur aus Trotz verliehen wurde sei dahingestellt. Dementia von 1955 ist auf jeden Fall schwer verdaulich. Man fragt sich, wer damals noch einen Stummfilm gedreht hat. Experimentalkino von vor 60 Jahren. Das ist schon eine Ansage. Der durch den Titel implizierte Vergleich mit einer degenerativen Erkrankung des Gehirns ist jedenfalls nur schwer von der Hand zu weisen.

Etwa 76 Stunden nachdem der Spuk begonnen hatte, war er damit vorbei. Das Gehirn – und nicht nur dieses – hat auf jeden Fall gelitten. Wir sind sehr gespannt auf die Jubiläumsausgabe im nächsten Jahr.