"Entweder verhungern wir oder wir werden gegessen. Das schweißt doch zusammen." (Undead or Alive - Der Tod steht ihnen gut)

Tagebuch eines B-Movie-Abends


Damit man sich mal eine grober Vorstellung davon machen kann, wie es abläuft, wenn ein Haufen Akademiker versucht einen B-Movie-Abend zu organisieren und durchzuziehen.

Dienstag: 7:02 Uhr
Bin auf dem Weg ins Büro. Fahr dieses Wochenende wieder nach PAF. Wenn da ein B‑Movieabend zusammengehen soll, dann sollte ich da langsam mal was organisieren.

Dienstag: 7:25 Uhr
Habe eine Mail von M. im Postfach: „Star Troopers harrt noch seines Konsums! Dieses WE hätte ich vermutlich unser Wohnzimmer anzubieten - wer hätte Zeit/Lust oder beides?“
Gut. Das erspart mir den ersten Schritt.

Dienstag: 11:22 Uhr
Mail von R.: „Ich werde es am kommenden Wochenende wohl nicht schaffen.“ Schon mal einer weniger. Da S. zurzeit ein paar hundert Kilometer weg ist hängt es damit wohl an C. ob wir drei Leute werden.

Mittwoch: 7:11 Uhr
Gestern Abend hat mich noch ein anderer Kumpel für Samstag eingeladen. Sollte dann mal versuchen den B-Movie-Abend auf den Freitag gelegt zu kriegen. Schreibe Mail an alle: „Hallo Jungs, wie sieht es denn jetzt an diesem Wochenende aus? Ich würde Freitag vorschlagen? Passt das bei euch? Grüße, K.“

Mittwoch: 19:27 Uhr
Mail von M.: „Ich wäre immer noch dabei. Freitag wäre ok, aber dann könnte ich leider keinen Raum anbieten.“
Ok, jetzt hängt es an C. Mal sehen, ob der einen Raum anbieten kann. Hab nur dummerweise immer noch nichts von ihm gehört.

Mittwoch: 21:17 Uhr
Mail von C. Er kann auch nur Freitag. Leider aber auch erst ab 21:00 Uhr und keine Aussage zu einem Raum. Und per Mail zu erreichen ist er die nächsten Tage wohl auch nicht.
Ich versuche es trotzdem und weise in einer Mail darauf hin, dass wir einen Raum bräuchten.

Mittwoch: 22:06 Uhr
Glück gehabt. Habe ihn noch erreicht und er könnte notfalls einen Raum anbieten.

Donnerstag: 13:36 Uhr
Habe endlich mal selbst in mein Postfach gekuckt und C.s Mail von gestern gelesen. Schreibe ihm eine SMS, dass wir uns dann am Freitag um sieben bei ihm treffen.

Freitag: 16:59 Uhr
Bin mittlerweile in PAF. Noch immer keine Bestätigung für den Termin.

Freitag: 17:35 Uhr
SMS von C.: „Unter dem Licht des Mondes werde ich euer Kommen zur neunten Stunde erwarten!“ Das war dann wohl die Terminzusage.

Freitag: 21:05 Uhr
M. und ich kommen mit leicher Verspätung bei C. an. Zunächst Diskussion über die Vergabepraxis öffentlicher Forschungsgelder, die Geschichte des B-Movie-Projektes und wissenschaftlich korrekte Probennahme.

Freitag: 21:25 Uhr
„Wer hat eigentlich den Film dabei?“ „Keine Ahnung.“ „Wer hatte geschrieben, dass Star Troopers wartet.“ „Ich. Aber der ist erst bestellt.“ „Super. Ich habe keinen Film dabei.“ „Ich habe auch nichts da.“
Gut. Da haben wir ja schon Erfahrung mit. Vor zwei Wochen standen wir vor dem gleichen Problem. (Dieser mal haben wir das Problem aber schon nach 20 Minuten bemerkt.)
Ein Glück das S. nicht dabei ist. Der würde sich jetzt wieder tierisch aufregen. C.: „S. würde jetzt wieder sagen ‚Einmal mit Profis!’“. Genau das habe ich auch gedacht, dass er jetzt sagen würde.

Freitag: 21:30 Uhr
Sitzen gerade im Auto: „Meine Videotheksausweis liegt übrigens noch oben.“ Egal. Wir fahren einfach zu der Videothek wo wir das letzte mal waren und kaufen uns irgendeine ausgemusterte Trash-DVD.

Freitag: 21:33 Uhr
Sind bei der Videothek. Der Laden sieht irgendwie komisch aus. Die haben zugemacht! Welche Videothek gibt es noch hier. Gegenüber vom OBI. Also los.

Freitag: 21:36 Uhr
Videothek gegenüber vom OBI. Das gibt es nicht, die haben auch zugemacht. Was ist denn in dieser Stadt los. Beim e-Markt gibt es noch eine, aber die geben keine Ausweise an Auswärtige aus und keiner von uns wohnt noch hier. Egal wir probieren es einfach.

Freitag: 21:38 Uhr
Die hat noch offen und M. fällt auch plötzlich ein, dass er immer noch bei seinen Eltern gemeldet ist. (Kommentar überflüssig, aber wenigstens ist das Problem gelöst.)
C. und ich kucken uns unten um, während M. einen Ausweis besorgt. Die haben hier ein paar schön trashige Sachen. „Zebraman“. Klingt schon mal vielversprechend.

Freitag: 21:41 Uhr
M. kommt auch runter. Es hatte sich herausgestellt, dass er hier schon mal einen Ausweis hatte, das nur vergessen hatte.

Freitag: 21:53 Uhr
Entscheidung für POULTRYGEIST: NIGHT OF THE CHICKEN DEAD. Die Videotheksangestellte meint, der wäre extremer Trash.
Ausgezeichnet…

Freitag: 22:01 Uhr
Zurück bei C.

Freitag: 22:33 Uhr
Kaum sind wir eine halbe Stunde zurück fangen wir schon mit dem Film an. Vorher Diskussion über diverse Themen.

Samstag:00:01 Uhr
Der Film ist zu Ende. Die Frau in der Videothek hat nicht zuviel versprochen.

Samstag:01:12 Uhr
Abschluss der Diskussion über den Film. Dabei längere Diskussionen über das Bild, das vom Film vermittelt wird, sein intellektuelles Niveau und seinen Sexismus. Dazwischen längere Kontroverse über den Begriff „kritisch“ und seine Definition.

Samstag:01:43 Uhr
Die Diskussion ist mittlerweile von der Entwicklung der Wikipedia, über Burgruinenforschung und die Titel österreichischer Kaiser zum Zusammenhang zwischen Vorhersagequalität und Rechenleistung bei naturwissenschaftlichen Modellen abgedriftet.

Samstag:02:05 Uhr
Mittlerweile sprechen wir über die gesellschaftliche Entwicklung seit den 1960er Jahren und multinationales Familienrecht.

Samstag:02:26 Uhr
C. nimmt endlich seine Gastgeberpflicht war und schmeißt uns raus.